#WirVsVirusHackathon der Bundesregierung – Erfahrungsbericht

Vom 20. bis 22. März 2020 riefen Vereine wie Code4Germany und tech4Germany in Kooperation mit der Bundesregierung zu einem zweitägigen Hackathon gegen das Coronavirus auf. Trotz der kurzfristigen Planung und Ankündigung (ich wusste erst seit dem 19.3. vom Hackathon) kamen unglaubliche 42.000 Anmeldungen zusammen – genug Zeit hatte ich ja. Auch ich entschied mich, die Gelegenheit zu nutzen, um an meinem ersten Hackathon teilzunehmen. Schon in den Tagen vor dem Start war es möglich, Vorschläge einzureichen, sodass am Freitag über 800 kategorisierte Vorschläge bereitstanden. Dies reichten von Apps für die Lebensmittelverteilung und Vermittlung von Erntehelfern über Coronadaten-Dashboards und e-Learning-Plattformen bis hin zu 3D-gedrucktem medizinischem Equipment.

Das Zusammenfinden in Teams sollte über die Team-App Slack vonstatten gehen. Die technische Infrastruktur war aber dem unerwartet hohen Zahlen zunächst nicht gewachsen (sogar der CEO von Slack wurde eingeschaltet), sodass die Teilnehmer erst nach und nach ihren Zugang bekamen. Dann aber ging es los und die TeilnehmerInnen hatten die Möglichkeit, in den nach Kategorie aufgeteilten Slack-Channeln ihre Teams zu finden. Ich fand die Jobvermittlung zwischen Unternehmen – häufig Bauern, bei denen es um die für uns alle wichtige Ernte und Neuaussaat geht -, denen durch das Virus zahlreiche häufig ausländische Arbeitskräfte wegbrechen, und den zahlreichen Deutschen, die sich zu Hause langweilen, ein relevantes und interessantes Thema und sah hier die realistische Option, einen ersten Prototypen innerhalb von 48h zu bauen. Und so fand ich mich mit meinem Team, das später die Demo-App Jay entwickelte, zusammen und wir trafen uns in einem eigenen Discord-Server. Das 9-köpfige Team, das sowohl aus ÖsterreicherInnen und Deutschen bestand, könnt ihr übrigens auf unserer Projektseite betrachten.

Nach einer ersten, circa zweistündigen Erarbeitung des grundlegenden Konzepts mit dem gesamten Team spalteten wir uns in zwei Teams auf: Die Designer und die Programmierer (die sich passenderweise im Sprach-Channel „Der Keller“ trafen). Hier entschieden wir, das Backend mit NodeJS in Kombination mit Typescript, Express und TypeORM mit einem Postgres-SQL-Server im Hintergrund zu bauen, während das Frontend eine mobile first Web-App basierend auf NuxtJS (eine Erweiterung des bekannten VueJS) werden sollte. Da ich mich zwar ein bisschen mit React auskannte, aber noch nie mit Vue gearbeitet hatte, im Bereich Express aber schon ein paar kleine Erfahrungen sammeln konnte, arbeitete ich am Backend.

Der Sprach-Channel der Entwickler im Team

Und so begann Arbeit. Bis tief in die Nacht dauerten die Team-Meetings über Discord an, es wurde fleißig programmiert und designt. Die Kommunikation und das Arbeiten in einem Team dieser Größe war für mich neu – und sehr erfreulich. Es war z. B. das erste Projekt, bei dem ich mit Designern zusammengearbeitet habe, und ich finde, man merkt dem Ergebnis doch an, dass hier nicht nur Programmierer am Werk waren. Vielleicht bin ich aber auch nur extrem untalentiert im UI-Design. Nachdem erstmal die grundlegende DevOps-Struktur (mit Docker und docker-compose) aufgesetzt war, folgten in für mich erstaunlicher Geschwindigkeit Feature auf Feature. Natürlich sind die technischen Lösungen nicht immer die saubersten und auch die Features sind nicht vollständig – das ist ja auch gar nicht das Ziel eines Hackathons. Aber die Frequenz, mit der neue Funktionen dazukamen und somit auch die Frequenz der Dopamin-Ausschüttungen war für mich eine neue und schöne Erfahrung.

Auch toll war, dass teilweise von anderen Teams Fragen für Themenbereiche, die man zuvor in Slack als Spezialgebiete angegeben hatte, kamen. So konnte ich beispielsweise auch zwei kleine Commits zu einem weiteren Projekt beitragen (Code). Bei diesem Projekt helfe ich nun auch nach offiziellem Ende des Hackathons noch ein bisschen mit.

Und nach 48h, nach einigen Livestreams der Organisatoren, vielen Bugs, vielen Commits und wenig Schlaf, war die Stunde der Abgabe gekommen. Neben einem Post auf Devpost musste auch ein max. 2-minütiges Video auf YouTube abgegeben werden.

Ja, und das war’s bis jetzt auch schon. In den nächsten Tagen werden die Projekte von der Jury bewertet und ggf. schaffen ein paar den Sprung in den Produktiveinsatz. Aber auch ganz ohne das war mein erster Hackathon eine wundervolle Erfahrung und sicher nicht mein letzter. Ich fand es beeindruckend, was man in 48h alles auf die Beine stellen kann und danke meinem tollen Team für die großartige Zeit! Schaut euch auf jeden Fall auch die zahlreichen tollen Projekte anderer an.

Den Code für das Projekt findet ihr übrigens auf Github, sowohl das Backend als auch das Frontend.

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